Seit 2018 findet die Herbsttagung des NEGZ (Nationales E-Government Kompetenzzentrum e. V.) im Rahmen der bitkom-Tagung „Smart Country Convention“ statt. So auch in diesem Jahr, aber wie die meisten anderen Events natürlich digital & remote. mgm war gleich mit drei Beiträgen dabei.

Anstelle eines ganzen Tages Programm fand die NEGZ-Herbsttagung Ende Oktober online-kompatibel verteilt an vier Nachmittagen statt. Thematischer Schwerpunkt der beliebten E-Government-Veranstaltung 2020: „Chancen und Herausforderungen einer virtuellen Verwaltung“. In virtuellen Video-Konferenztools referierten und diskutierten in verschiedenen Sessions NEGZ-Mitglieder und Branchen-Interessierte aus der Behördenpraxis, Wissenschaft und Wirtschaft. mgm ist seit Anfang 2019 NEGZ-Mitglied.

Standpunkt: Open Source-Förderung für Alltagsanwendungen

Gleich zum Start war mgm-Gründer und CEO Hamarz Mehmanesh mit einem Standpunkt beim ersten „NEGZ Slam“ dabei. Sein Thema: „Staatliches Open Source-Management als Gegengewicht zur Macht der Digitalkonzerne“. Am Beispiel von Googles Kartendienst (Google Maps) führte er in sein Thema. Wer zum Beispiel in der Umgebung nach einem italienischen Restaurant sucht, sieht nicht jedes italienische Restaurant, „weil Google darüber entscheidet, in welcher Auflösung man welches Restaurant sieht oder nicht sieht“. Es sei eine ungeheure Macht für ein privates Unternehmen, „die Entscheidung zu haben, wer überhaupt auffindbar ist“, so Mehmanesh.

Als Alternativen stehen in vielen Bereichen Open Source-Anwendungen bereit, bei digitalen Karten vor allem Open Street Map (OSM). Damit überhaupt andere Unternehmen bei Kartendiensten und anderen Alltagsanwendungen eine Chance haben und nicht „The winner takes it all“ gilt, müssten Alternativen wie OSM unterstützt werden: „Mir geht es darum, dass der Staat, dort wo es um Alltagsanwendungen geht, diese Open Source-Pakete fördert“, sagte Hamarz Mehmanesh. Drei konkrete Punkte untermauerte er:

  1. Förderung für Hochschulinstitute, die sich im Open Source-Bereich engagieren, weil dort sehr viele kluge Köpfe sind. Diese sind notwendig, um konkurrieren zu können.
  2. Ein institutionalisiertes Management für die gezielte Förderung von Open Source-Alternativen.
  3. Offizielle und aktive Werbung für Open Source-Dienste, damit diese sich auch verbreiten und genutzt werden. Der Staat muss für solche Pakete aktiv Werbung machen und dafür sorgen, dass sie Öffentlichkeit bekommen.

Agile Verwaltung – geht das? Unbedingt!

Ebenfalls am ersten Tag der NEGZ-Tagung hatten Roland Kreutzer (Manager Öffentlicher Sektor) und Benedikt Jost (Senior Manager Business Agilität) von den mgm consulting partners ihren Einsatz. Ihre Mission: „Erfolgsfaktoren: Der Weg zu einer bürgernahen, digitalen Verwaltung“.

„Geld löst vielleicht nicht alles“, meinte Roland Kreutzer zu Beginn mit Bezug auf die von einem Vorredner erwähnten Extra-Milliarden für das OZG. Es kommt eben aber auch auf Mindset, Arbeitsweisen und vor allem ganzheitliches strategisches Management an.

In einer Agilitäts-Rallye führten sie dann in einer bildgewaltigen Reise durch neun Kapitel in das Innere einer agil entwickelten digitalen Verwaltung. Dabei gab Benedikt Jost den Zuschauerinnen und Zuschauern unter anderem Tipps für die Umfeldanalyse (1), für eine ganzheitliche Betrachtung (2), die Einbindung von Kunden (3) und zum Change-Management (4):

  • (1) „Starten Sie mit einer Umfeldanalyse und passen Sie die Handlungsweise entsprechend an, verklären Sie die Situation nicht.“
  • (2) „Sorgen sie dafür, dass Sie die Dinge ganzheitlich betrachten und nicht irgendwelche Leuchtturmprojekte sinnlos mit Geld vollballern und den Rest vergessen.“
  • (3) „Binden Sie die Kunden ein, aber auch ernsthaft und dauerhaft – nicht nur in einem einmaligen Workshop.“
  • (4) „Egal was Sie tun, begleiten Sie es mit einem vernünftigen Change-Management – sonst wird es nicht funktionieren.“

Eine etwas andere Vortragsversion sowie eine Podcast-Folge zum „agilen Mumpitz“ gibt es unter anderem hier. Außerdem Mitschnitte auf Youtube: Agiler Mumpitz?! // …und täglich grüßt der agile Mumpitz. // Agile Strategieentwicklung – Mumpitz auf höchstem Niveau?!

Digitale Gesetze im Simulator

Am vierten und letzten Nachmittag der NEGZ-Tagung war Sabine Gandenberger, mgm-Projektleiterin der ELSTER-Modellierungsplattform, Rednerin bei einer spannenden Eineinhalb-Stunden-Session. Mit ihr auf der virtuellen Bühne:

  • Prof. Dr. Bernhard Rumpe, Lehrstuhl Software Engineering, RWTH Aachen
  • Dr. Judith Michael, Lehrstuhl Software Engineering, RWTH Aachen
  • Roland Krebs, Bayerisches Landesamt für Steuern

Grund für den großen Bahnhof war die Vorstellung erster Ergebnisse der NEGZ-Kurzstudie „Digitalisierung der Gesetzgebung zur Steigerung der Digitalen Souveränität des Staates“. Kernfrage der Studie: Wie können Gesetze mittels domainspezifischer Sprache formuliert werden? Federführung bei der Beantwortung hatte der Lehrstuhl Software Engineering der RWTH Aachen, mgm-Expertinnen und -Experten waren maßgeblich beteiligt. Die Studie wird voraussichtlich bis Ende 2020 auf der NEGZ-Webseite veröffentlicht. Details und Insight gibt es dann auch hier im Blog.

Aus dem Teil von Sabine Gandenberger, die ausgehend von den Erfahrungen mit der ELSTER-Modellierungsplattform ausführte, wie eine digitale Gesetzgebung aussehen könnte: „Besonders spannend ist bei so einem Ansatz die Möglichkeit, dass man Gesetz simulieren könnte. Letztlich kann man sich vorstellen, dass man zukünftig schon im Gesetzgebungsverfahren verschiedene Varianten simuliert, um dann entscheiden zu können, welche Variante das eigentlich angestrebte Ziel am besten realisiert.“

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