Souveränität mit Wirkung! Technik im Griff oder im Griff der Technik?

Zuletzt aktualisiert am: 4. Juni 2026

Wenn in der öffentlichen Verwaltung von digitaler Souveränität die Rede ist, denken viele zuerst an Technik. An Software, Server, Clouds, Lizenzverträge. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz. Digitale Souveränität ist im Kern eine Machtfrage.

Wer entscheidet, welche Systeme eingesetzt werden? Wer hat tatsächlich Zugriff auf die Daten der Bürgerinnen und Bürger? Wer kann ein System wechseln, wenn es nicht mehr passt und wer ist faktisch gezwungen, zu bleiben?

In vielen Verwaltungen fällt die ehrliche Antwort unbequem aus: Man ist abhängig. Von einzelnen Anbietern, von proprietären Systemen, von Verträgen, die vor Jahren geschlossen wurden und heute kaum noch zu durchschauen sind. Das schränkt nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch politische und strategische Handlungsfähigkeit ein.

Was digitale Souveränität konkret bedeutet

Digitale Souveränität heißt nicht Autarkie. Keine Verwaltung kann oder muss alle Systeme selbst entwickeln. Es geht darum, bewusst zu wählen: Welche Technologien passen zu den eigenen Werten und Anforderungen? Wo sind Abhängigkeiten vertretbar, wo nicht? Und wie behält man den Überblick, wenn die Systemlandschaft immer komplexer wird?

Das erfordert Kompetenz – technisch, aber auch strategisch und rechtlich. Und es erfordert eine Haltung: die Bereitschaft, sich nicht mit dem Status quo abzufinden, sondern aktiv zu gestalten.

Dass das möglich ist, zeigen Initiativen wie der Deutschland-Stack oder die wachsende Gemeinschaft rund um Open-Source-Lösungen in der Verwaltung. Es gibt Bewegung. Aber Bewegung allein reicht nicht. Sie braucht Menschen, die sie tragen.

Karsten Kneese
Karsten Kneese ist im mgm-Marketing-Team für die Consulting-Themen zuständig. Als Moderator des Podcasts "innovation implemented" macht er diese auch hörbar.