FAQ: Die OZG-Cloud

Zuletzt aktualisiert am: 16. April 2026

Die OZG-Cloud unterstützt Kommunen und öffentlich-rechtliche Körperschaften dabei, Verwaltungsverfahren im Sinne des Onlinezugangsgesetzes (OZG) vollständig digital und medienbruchfrei abzuwickeln. Die folgenden Fragen und Antworten geben einen kompakten Überblick über Aufbau, Funktionen und Mehrwert der Plattform.

1. Was ist die OZG-Cloud?

Die OZG-Cloud ist eine IT-Systemlandschaft (Cloud) für Kommunen und öffentlich-rechtliche Körperschaften, mit der Antragsprozesse aus dem Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) medienbruchfrei bearbeitet werden können. Sie besteht aus einer webbasierten allgemeinen Fachanwendung, die in einer Cloud-Umgebung läuft sowie einer Reihe von Services und Schnittstellen als Unterbau. Die einfach implementierbare und bequem nutzbare Verwaltungssoftware für die Bearbeitung von Anträgen wurde unter einer Open Source-Lizenz und als Einer-für-alle-Prinzip (EfA) entwickelt.

2. Wer hat die OZG-Cloud entwickelt und wer nutzt sie?

Entwickelt wurde die Plattform von mgm in Zusammenarbeit mit dem IT-Verbund Schleswig-Holstein (ITV.SH) und Dataport. Das Land Schleswig-Holstein nutzt die OZG-Cloud intensiv: bereits über 50 Prozent der Kommunen im Land arbeiten bereits damit. Auch Bayern befindet sich mit mehreren Kommunen im Pilotbetrieb (Stand: März 2026).  

3. Welche Architektur steckt dahinter?

Die OZG-Cloud ist eine föderale Multi-Cloud-Lösung, die auf Kubernetes-Systemen in bestehenden Rechenzentren laufen kann. Jede Kommune bekommt einen eigenen Namespace, in dem sie die Datenhoheit besitzt und viele Anbindungen selber vornehmen kann. Das System ist stark automatisiert: neue Mandanten/Kommunen lassen sich mit Skripten aufsetzen und Updates werden automatisiert verteilt.

4. Welche Funktionen und Module bietet die OZG-Cloud?

Die OZG-Cloud deckt den gesamten digitalen Lebenszyklus eines Verwaltungsverfahrens ab und ergänzt diesen kontinuierlich um neue Module.

Im Zentrum steht die Ende-zu-Ende-Bearbeitung: Von der Antragstellung über die interne Sachbearbeitung bis zur Rückmeldung an Antragstellende läuft jeder Schritt in einem durchgängigen digitalen Prozessraum. Medienbrüche entfallen, Zustände bleiben transparent nachvollziehbar.

Aus der Fachanwendung wird die bidirektionale Kommunikation, zum Beispiel über BundID oder das Unternehmenskonto unterstützt. Zusätzlich steht ein integrierter Kommunikations- und Antragsraum zur Verfügung. Fehlende Dokumente lassen sich gezielt anfordern und digital nachreichen – ohne E-Mail-Verkehr oder Papierpost.

Für die Erstellung von Bescheiden stehen Schnittstellen bereit, über die Software zur Dokumenterstellung eingebunden werden kann. Beispiele hierfür sind Smart Documents, die A12 Print Engine und die im Rahmen des Projekts entwickelte Open Source-Lösung „ED“ (Elektronische Dokumenterstellung).

Mit der OZG-Cloud Bridge wird eine Möglichkeit geschaffen, Antragsdaten zu exportieren und das Format so anzupassen, dass Fachverfahren es importieren können. So integriert die Lösung gewachsene IT-Landschaften, ohne sie zu ersetzen und sorgt für einen Datenaustausch entlang definierter Schnittstellen.

Das Beteiligungsmodul bezieht externe Stellen wie Kammern oder Verbände strukturiert in Verfahren ein. Flexible Integrationsmechanismen ermöglichen eine koordinierte Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg.

Erweiterungen, die sich aktuell in der Umsetzung befinden, sind die Nutzung von X-Road für föderierte Datenschnittstellen, Reporting-Funktionen zur Auswertung von Verfahrensdaten, eine konfigurierbare Administrationsoberfläche sowie die Anbindung von Low Code-Plattformen zur schnellen Umsetzung neuer Prozesse.

5. Wie sieht der Betrieb der OZG-Cloud aus?

Die OZG-Cloud folgt dem EfA-Prinzip („Einer für alle“): Kommunen, Länder und andere Institutionen können gemeinsam auf die Lösung zugreifen. Die Zentralisierung von Updates und Betrieb senkt die Betriebskosten und stellt konsistente Qualität sicher. Gleichzeitig bleibt die kommunale Selbstverwaltung erhalten – jede Kommune entscheidet selbst, wie sie die Module der OZG-Cloud nutzt. Zudem existieren Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, (z. B. über ITV.SH oder BayKommun), insbesondere für kleinere Kommunen.

6. Wie entlastet die OZG-Cloud IT-Fachkräfte in den Kommunen?

Der technische Aufwand für IT-Fachkräfte in den Kommunen ist relativ gering. Automatisierte Prozesse (Setup, Updates, Skalierung) reduzieren den manuell-technischen Aufwand deutlich. Wartung und Updates der OZG-Cloud laufen zentral und automatisiert, was die Ressourcen in kleinen Kommunen spürbar entlastet.

7. Wie profitiert die Verwaltung von der OZG-Cloud?

Die OZG-Cloud entkoppelt Antragstellung und Bearbeitung, wodurch Medienbrüche deutlich reduziert werden. Durch automatisierte Prozesse wie beispielsweise bei der Bescheiderstellung sinkt der manuelle Aufwand. Die verschiedenen Kommunikationskanäle ermöglichen es, Anträge zwischen Cloud-Instanzen weiterzugeben und fördern so die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. Die Cloud-Lösung unterstützt mit wenigen Ressourcen eine skalierbare Antragsbearbeitung – hilfreich insbesondere dort, wo IT-Fachkräfte knapp sind.

8. Welche Vorteile hat die OZG-Cloud für Bürger:innen und Unternehmen?

Bürger:innen und Unternehmen können Anträge vollständig digital stellen – inklusive Dokumentenupload. Fehlende Unterlagen können einfach nachgereicht werden. Die Bearbeitung wird transparenter und schneller, da nachvollziehbare Stände im Vorgang existieren (Zuweisung, Rückfragen, Bescheid). 

9. Welche Vorteile bietet die OZG-Cloud für den Deutschland-Stack?

Der Deutschland-Stack gewinnt durch die OZG-Cloud einen Baustein, der offene Technik, souveräne Kontrolle und praxiserprobte Abläufe verbindet. Die Plattform bringt klare Schnittstellen, gemeinschaftlich nutzbare Module und eine Architektur, die sich gut in die föderale IT einfügt. Die offene Entwicklung fördert Austausch, beschleunigt Verbesserungen und stärkt digitale Unabhängigkeit. So entsteht ein Umfeld, in dem moderne Verwaltungsprozesse entstehen, die sich problemlos skalieren lassen.

Weitere Informationen:

Nadine Kneschke
Nadine Kneschke ist Teil des mgm-Marketing-Teams und verantwortet verschiedene Themen rund um den Public Sector. Sie schreibt über Digitalisierungsprojekte in Verwaltung und Wirtschaft – dank ihrer langjährigen Erfahrung in der externen Kommunikation sowie in der redaktionellen Berichterstattung erklärt sie komplexe IT-Themen zielgruppengerecht und verständlich.