Eine der komplexeren Herausforderungen: Wie können digitale, maschinenlesbare Identitätsnachweise für Privatpersonen und Unternehmen aussehen? Wie können Bescheinigungen einfach und fälschungssicher vom Anwender selbst verwaltet und gegenüber Dritten nachgewiesen werden? Lösungen zu diesen Fragen der Zukunft soll das Konsortium IDunion liefern. Jetzt ist auch mgm technology partners assoziierter Partner des wichtigen Projekts geworden. Dadurch können unsere Fachexpert*innen ihre Expertise und Lösungsansätze aus Digitalisierungsprojekten der öffentlichen Verwaltung und Wirtschaftsbranchen einbringen.

Das Ziel von IDunion ist „der Aufbau eines offenen Ökosystems für die dezentrale Identitätsverwaltung, welches weltweit nutzbar ist und sich an europäischen Werten und Regularien orientiert“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt. Im Grundsatz verwendet IDunion das Konzept der Self-Sovereign Identities (SSI), selbstbestimmte Identitäten.

Zum Start des Projekts 2020 waren knapp 20 Partner am Projekt beteiligt, inzwischen sind es fast 40 – und es sollen mehr werden. Alle bekennen sich zu den inhaltlichen und technischen Zielen Sicherheit und Datenschutz durch Design, klar definierte Haftbarkeit durch eine Verwaltungsgenossenschaft sowie offene Innovationen, also einer offenen Anwendungsentwicklung.

Auch mgm ist nun assoziierter Partner. Die mgm-Kolleg*innen mit Expertise in digitalen Identitäten können sich nun mit anderen Expert*innen des Netzwerks austauschen, haben Zugriff auf die technischen Dokumentationen und können Ideen für Anwendungen entwickeln. Durch ein aktuelles in der Steuerverwaltung inklusive Prototypenentwicklung gibt es umfangreiches Know-how, um sich bei IDunion einzubringen.

Datenhoheit und Wallets für die IDunion-Nutzer – und unendliche SSI-Anwendungen

Kern des Konzepts von IDunion: Alle Beteiligten – egal ob beispielsweise Bürger*innen oder Unternehmen – werden die eigenen Identitätsnachweise und Bescheinigungen selbst verwalten und immer frei entscheiden können, wann und mit wem die Nachweise geteilt werden (Datenhoheit).

Als Sammel-, Verwaltungs- und Ausweiszentrale dienen so genannte „Wallets“. Dies sind für Bürgerinnen und Bürger in der Regel Apps auf einem Smartphone, Institutionen nutzen dagegen gesicherte Cloud-Lösungen. So sollen zukünftig online beispielsweise ohne zusätzliche Chipkartenhardware Verträge rechtssicher abgeschlossen werden können und auch die Identitätsfeststellung bei virtuellen Behördengängen in Bund, Ländern und Kommunen ließe sich ein gutes Stück vereinfachen.

Die eindeutige und sichere Technologie lässt sich dann aber auch etwa für die Adresseingabe in Internetshops, für Hotel-Check-Ins, Tickets jeglicher Art und Kreditkarten nutzen. Für Unternehmen und Industrie ergeben sich ebenfalls unzählige Anwendungsszenarien: von eindeutigen Produkt- und Maschinen-Identitäten für die Supply Chain über Bilanzzahlen-Nachweise bis hin zu Risikodaten für Versicherungen.

Bundesförderung für dreijährige Umsetzungsphase

IDunion wird seit 2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Innovationswettbewerbs „Schaufenster Sichere Digitale Identitäten“ gefördert. Kürzlich gab es auch die Förderungszusage für die dreijährige Umsetzungsphase, die am 1. April 2021 begann.

Erst Ende August 2020 hat das als „SSI für Deutschland” gestartete Netzwerk ein dezentrales Identitäts-Netzwerk in den Testbetrieb genommen, auf dessen Grundlage vielfältige Anwendungen für Bürger*innen, Unternehmen und Institutionen entwickelt werden sollen. Als Teil des Transparenzprinzips baut die technische Umsetzung auf offenen Standards und Open-Source-Technologie auf.

Genossenschaft als Verwaltungsorganisation

Noch in diesem Jahr soll die Gründung einer Europäischen Genossenschaft (Societas Cooperative Europaea S.C.E.) für IDunion vollzogen werden. Anschließend wird das technische Netzwerk in eine Produktivumgebung überführt.

Wir freuen uns sehr über die Partnerschaft und die Möglichkeit, Expertise in eine so grundlegende Zukunftstechnologie für das zukünftige digitale Leben und Arbeiten einbringen zu können. Es wird sicherlich hier noch mehr Praxisberichte geben.

Weitere Informationen:

Foto: George Prentzas on Unsplash 

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