Vom Prozess zur Verwaltungsleistung: Wie A12 und CIB seven digitale Souveränität konkret machen

Zuletzt aktualisiert am: 7. Oktober 2026

Verwaltungsleistungen scheitern selten an der Idee, sondern an der Umsetzung. Informationen wandern zwischen Papier, E-Mail und Fachverfahren, Anträge sind komplex, Prozesse dauern Wochen, und die Systeme sind oft nur lose verbunden. Dabei ist das Ziel klar: durchgängig digital und dabei souverän. Dafür braucht es eine Technologie, die große Fachverfahren trägt und sich nicht an einen Hersteller bindet.

Fachlichkeit und Technik trennen

In klassischer Entwicklung sind Fachlichkeit und Projektcode verwoben, und Fachexperten und Entwickler arbeiten aneinander vorbei. Die A12 AI Low Code Plattform setzt auf modellgetriebenes Software-Engineering: die Fachlichkeit liegt in Modellen, die Technik in der Plattform. Beide Seiten arbeiten gemeinsam auf derselben Grundlage. Zu den Modelltypen gehören Daten- und Dokumentmodelle, Oberflächen, Regeln und Berechnungen, Druckmodelle sowie Workflowmodelle.

Diese Struktur macht A12 auch für den verantwortungsvollen Einsatz von KI geeignet. Sie unterstützt beim Modellieren und beim Coden, aber das Ergebnis bleibt nachvollziehbar, weil es in prüfbaren Modellen steckt und nicht in undurchsichtigem Code. Welches Sprachmodell zum Einsatz kommt, ist dabei offen.

Souveränität heißt: Quellcode, Standards und Lizenz

A12 ist seit Mai 2026 Open Source und über openCode und GitHub verfügbar. Die Plattform läuft seit Jahren erfolgreich in hochsensiblen Einsatzbereichen, etwa bei ELSTER. Offenheit endet aber nicht beim eigenen Code. Sie muss sich durch den gesamten Technologiestack ziehen, bis hin zur Prozessebene. Deshalb setzt A12 auf offene Modellstandards und quelloffene Komponenten, die laufend bewertet und bei Bedarf ausgetauscht werden.

Der Wechsel von Camunda 7 zu CIB seven

Wie ernst dieser Anspruch ist, zeigt die Workflow-Komponente. Lange lief unter A12 Workflows die Community Edition von Camunda 7. Deren Weiterentwicklung als freie Software lief aus, und der Nachfolger Camunda 8 ist im Produktivbetrieb lizenzpflichtig und auf den Cloud-Betrieb ausgerichtet. Wer auf eigene Prozesse in der Infrastruktur setzt, steht damit vor einer Lizenzfrage. Souveränität entscheidet sich an der Lizenz, nicht am Bekenntnis.

mgm hat sich deshalb für CIB seven entschieden, die von der CIB software GmbH gepflegte Fortführung von Camunda 7 unter Apache-2.0-Lizenz. Der Umstieg war ein Drop-in-Replacement, bestehender Code läuft unverändert weiter. Seit Release 2025.06 wird A12 Workflows mit CIB seven ausgeliefert. Die langfristige Weiterentwicklung der Engine verantwortet CIB, mgm bringt sich in der Community ein.

Dabei bleibt CIB seven ein eigenständiges Produkt. Dieselbe Engine läuft eingebettet in einer A12-Anwendung und genauso im eigenen Rechenzentrum. So entsteht kein Abhängigkeitsverhältnis, sondern Arbeitsteilung: A12 beschreibt, was gilt, und CIB seven führt aus, was passiert.

Vom Antrag zum Bescheid, ohne Medienbruch

Wie das zusammenspielt, lässt sich an einem Antrag zeigen. Bei der Antragstellung prüft A12 Pflichtfelder und Formate vorab. Regeln der Kernel Language, etwa Berechnungen, Aggregationen und Datumslogik, laufen direkt im Dokumentenmodell. Der Prozess selbst ist als BPMN-Modell hinterlegt, Entscheidungen wie Bewilligung oder Ablehnung als DMN-Regeln. Am Ende erzeugt die Print Engine den Bescheid als PDF und stößt den Nachrichtenversand an. Je mehr Schritte ohne Benutzerinteraktion auskommen, desto näher rückt die Dunkelverarbeitung.

Weil Prozesse als BPMN 2.0 und DMN vorliegen, sind sie lesbar und prüfbar, auch ohne Zugang zum Produkt. Die Investition steckt im Modell, nicht in der Lizenz. Und das Modell überdauert, auch wenn Technologie, Plattform oder Anbieter wechseln.

Auch beim Thema KI ergänzen sich die Ansätze. A12 nutzt KI auf der Modellebene, um Prozesse und Anwendungen zu entwickeln. Im laufenden Prozess können Sprachmodelle über die Engine Anträge vorsortieren und die Sachbearbeitung entlasten.

Nachnutzen statt neu bauen

Für Verwaltungen heißt das: Wer ein Verfahren mit A12 und CIB seven umsetzt, schafft nicht nur eine Anwendung, sondern einen Bestand an Modellen, der sich prüfen, weitergeben und weiterentwickeln lässt. Weil Plattform und Engine eigenständig bleiben, lässt sich jeder Baustein austauschen, ohne die Fachlichkeit neu zu schreiben.

Souveränität entscheidet sich an der Nachnutzbarkeit: offener Quellcode, offene Standards, offene Lizenzen, und ein Softwarehaus, das Verantwortung übernimmt.

Jan Goller und Georg Hatzelmann von CIB software GmbH, zeigen am Mi., 14.10.2026, um 10:00 Uhr am mgm-Stand 112 in hub27 auf der SCCON, wie sich Prozesse modellgetrieben zur Verwaltungsleistung entwickeln lassen.

Weitere Informationen:

Jan Goller
Jan Goller ist Account Executive im Geschäftsbereich Public Sector. Als ehemaliger Softwareentwickler und Testautomatisierer kennt er die Herausforderungen in Entwicklungsprojekten aus erster Hand. Dieses technische Verständnis bringt er in die Beratung rund um die A12 AI Low Code Plattform ein und unterstützt Verwaltungen dabei, effiziente und zukunftsfähige Softwarelösungen umzusetzen.