A12 Business Scripting: Die Brücke zwischen Modellierung und Entwicklung

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Zuletzt aktualisiert am: 2. November 2026

Low-Code-Plattformen versprechen, dass Fachexperten ohne tiefes Entwicklerwissen Anwendungen aufbauen und anpassen können. In der Praxis stimmt das bis zu einem gewissen Punkt: Sobald Geschäftslogik ins Spiel kommt, die über das Modellierbare hinausgeht, sind Entwickler gefragt. Das erzeugt Abhängigkeiten, verlangsamt Projekte und führt dazu, dass jedes Team ähnliche Lösungen auf eigene Faust implementiert.

Mit Business Scripting adressiert die A12 AI Low Code Plattform von mgm technology partners genau dieses strukturelle Problem. Das neue, experimentelle Feature des Releases 2026.06 verfolgt ein klares Ziel, wie Peter Sommerhoff vom zuständigen A12-Team es formuliert: „Mit Business Scripting erweitern wir die Möglichkeiten, die Fachexperten in A12 selbst umsetzen können – ohne Umweg über ein Entwickler-Backlog. Das Domänenwissen ist vorhanden, und es soll genau dort ankommen, wo es gebraucht wird.“

Was ist die A12 AI Low Code Plattform?

A12 ist eine Plattform zur Entwicklung von Unternehmensanwendungen in komplexen IT-Landschaften. Sie basiert auf modellbasiertem Software-Engineering (MDSE): Fachexperten und Business-Analysten modellieren Teile einer Anwendung in grafischen Werkzeugen, ohne selbst programmieren zu müssen. So bringt A12 das Low-Code-Prinzip in die Welt der professionellen Enterprise-Software. Als offene Plattform lässt sich A12 in bestehende Systemlandschaften integrieren und ermöglicht den Einsatz von KI auf allen Ebenen.

A12 ist seit Mai 2026 als Open-Source-Software unter der EUPL 1.2 auf GitHub verfügbar, zusätzliche Enterprise-Komponenten sind für Kunden mit Subscription erhältlich

Warum Geschäftslogik in A12 bisher Entwickler erfordert

In A12 lässt sich vieles modellieren: Datenstrukturen, Benutzeroberflächen, Beziehungen zwischen Dokumenten, Druckvorlagen sowie Prozesse. Aber nicht jede Geschäftslogik lässt sich damit ausdrücken.

Deshalb verlief die Arbeit an einer A12-Anwendung bisher in zwei getrennten Strängen: Business Analysten und Modellierer deckten die fachliche Seite ab. Entwickler übernahmen alles, was darüber hinausging. Dabei haben Modellierende und Business Analysten das Wissen, das eigentlich gebraucht wird. Sie kennen die Domäne, die Anforderungen, die gewünschten Abläufe. Was ihnen fehlte, war ein Werkzeug, das ihnen ermöglicht, dieses Wissen direkt in ausführbare Logik zu übersetzen.

Was A12 Business Scripting ist und wie es funktioniert

Business Scripting ist ein neues, experimentelles Feature in A12 und macht genau diese Lücke kleiner. Es ermöglicht Modellierern und Entwicklern, Geschäftslogik selbst zu definieren und zu testen, ohne dafür in den komplexen Anwendungscode eingreifen zu müssen. Das Skript wird dabei trotzdem fester Bestandteil der Anwendung, bleibt aber als eigenständige, klar abgegrenzte Einheit von der übrigen Anwendungslogik getrennt.

Ein Business Script kann dabei an drei Stellen in A12 laufen:

  • in Workflows
  • im Backend, etwa in den Data Services
  • im Frontend, etwa in der Formular-Engine (vorerst nur intern bei mgm)

Der Ort ändert sich, das Grundprinzip bleibt gleich: eine einzelne, in sich geschlossene TypeScript-Einheit mit klar definierten Ein- und Ausgaben.

Technischer Aufbau: einfache Struktur statt beliebiger Code

Technisch gesehen ist ein Business Script TypeScript-Code mit A12-Integration. TypeScript ist eine typsichere Erweiterung von JavaScript, die weit verbreitet ist und sich gut für strukturierte Logik eignet. Was ein Business Script von beliebigem Code unterscheidet, ist seine bewusst einfache, feste Struktur: Eingabe, Logik, Ausgabe. Jedes Skript definiert, welche Daten es erhält, was es damit tut und was es zurückgibt.

Konkret bedeutet das: Business Scripting stellt eine API mit einfachen, leicht verständlichen Funktionen für typische A12-Operationen bereit, beispielsweise für das Anlegen oder Bearbeiten von Dokumenten. Scripter nutzen diese Funktionen direkt, ohne die technischen Details dahinter kennen zu müssen. Diese Einschränkungen sind kein Manko, sondern Absicht, wie Peter Sommerhoff erläutert: „Wir setzen bewusst auf Grenzen, denn genau das ermöglicht es uns, die Dinge einfacher zu machen, als es andernfalls möglich wäre.“

Business Scripts sind kein Ersatz für die Modellierung, sondern eine Erweiterung davon – eine Brücke zwischen dem, was sich visuell ausdrücken lässt, und dem, was ausführbare Logik erfordert.

Sicherheit durch klare Grenzen

Läuft ein Business Script im Browser, wäre technisch fast alles möglich. A12 Client begrenzt deshalb, was ein Skript erreichen kann: Es sieht nur die Funktionen, die die Anwendung ihm gezielt bereitstellt, etwa ‚Detailformular öffnen‘ oder ‚Produktname ändern‘. Was diese Schnittstelle nicht ausdrücken kann, kann ein Skript auch nicht tun.

A12 Client liefert einen kleinen Standardsatz solcher Funktionen; Projekte erweitern oder reduzieren ihn je Einsatzkontext. Wie Skripte in A12 generell, läuft auch ein Business Script isoliert, tauscht mit der Anwendung nur reine Daten aus und lässt sich jederzeit abbrechen, ohne die Oberfläche zu blockieren. Das zieht eine klare Grenze und begrenzt Schaden durch Fehler, wichtig gerade dann, wenn KI-Agenten Skripte erstellen oder anpassen. Für Skripte, die andere Nutzende ausführen, ergänzen Projekte diese technische Grenze um eine fachliche Prüfung.

Wie viel schon der Standardsatz leistet, zeigt ein Beispiel: Aus einer Dokumentenliste das passende Detailformular zu öffnen, inklusive Behandlung ungespeicherter Änderungen, erledigt ein Aufruf der Scripting API.

Wer nutzt Business Scripting und wie verändert sich dadurch die Zusammenarbeit?

Das A12-Team bezeichnet das primäre Zielpublikum als „Power Modeler“: Personen, die tief in der A12-Plattform arbeiten, die Domäne gut kennen und keine Berührungsängste mit Code haben. Sie sollen in der Lage sein, Geschäftslogik eigenständig zu implementieren und direkt auszuprobieren, ohne Entwickler einzuschalten.

Dadurch verändert sich auch die Zusammenarbeit zwischen Fachseite und Entwicklungsteam. Bisher standen Entwickler am Ende jeder fachlichen Anforderung, die über die Modellierung hinausging. Künftig übernehmen Power Modeler einen größeren Teil dieses Wegs selbst. Dadurch werden Entwickler nicht überflüssig, sie wechseln jedoch die Rolle: Sie bauen projektspezifische Logik als eigene API-Erweiterungen, die Modellierer dann in ihren Skripten verwenden können, ohne die technischen Details kennen zu müssen. Zudem prüfen, optimieren und sichern sie Skripte ab, die Modellierer geschrieben haben.

Was die A12 Scripting API leistet

Business Scripting besteht aus zwei Teilen: einer API, die Skriptern A12-Funktionen direkt zugänglich macht, sowie einer Laufzeitumgebung, die Skripte ausführt. Skripter arbeiten ausschließlich mit der API, während die Plattform im Hintergrund alle erforderlichen Aufgaben übernimmt.

Das Herzstück von A12 Business Scripting ist die A12 Scripting API. Sie deckt die typischen Operationen einer A12-Anwendung ab. Dokumente anlegen, lesen, bearbeiten und löschen sowie Links zwischen Dokumenten erstellen und verwalten. Die API ist nach Themengebieten strukturiert, sodass Skripter gezielt die benötigten Funktionen finden. Wer mit Dokumenten arbeiten möchte, findet beispielsweise unter „A12.Documents” alle verfügbaren Funktionen, die per Autovervollständigung angezeigt werden.

A12.Documents.create("MyDocumentModel")
A12.Links.create(...)

Das Besondere an der API: Skripter müssen nicht wissen, an welcher Stelle in der Anwendung ihr Skript läuft. Ein Skript, das ein Dokument anlegt, funktioniert genauso, egal ob es innerhalb eines automatisierten Workflows ausgeführt oder direkt vom Server gestartet wird. Der Code sieht in beiden Fällen identisch aus. Die technischen Unterschiede im Hintergrund regelt die Plattform automatisch.

Für projektspezifische Anforderungen lässt sich die API um eigene Namespaces erweitern, etwa für Aufrufe an Drittsysteme oder interne Berechnungen.

Wie KI-Agenten beim A12 Business Scripting unterstützen

Business Scripting wurde von Anfang an so konzipiert, dass KI-Agenten beim Schreiben und Testen von Skripten unterstützen können. Das senkt auch die Einstiegshürde. Selbst wer TypeScript nicht fließend beherrscht, kann mit Unterstützung eines KI-Agenten Skripte erstellen. Dieser schreibt den Code, erklärt ihn und korrigiert Fehler. Über ein Claude-Plugin können Skripte direkt mit KI-Unterstützung entwickelt werden. Damit dies reibungslos funktioniert, liefert die Plattform verständliche Fehlermeldungen und eine strukturierte Übersicht aller verfügbaren Funktionen als Grundlage dafür, dass KI-Agenten gezielt weiterhelfen können. Hinzu kommt einHot-Reload-Mechanismus, der Änderungen an Skripten während der Entwicklung automatisch erkennt und dafür sorgt, dass stets die neueste Version ausgeführt wird, ohne dass ein manuelles Eingreifen erforderlich ist. A12 verfolgt dabei einen kontrollierten Ansatz: KI wird als Werkzeug eingesetzt, das die Plattform kennt und mit ihr arbeitet, anstatt Prozesse zu umgehen.

Wann ist A12 Business Scripting verfügbar?

Business Scripting ist als experimentelles Feature verfügbar. Der Backend-Teil läuft bereits produktiv in Workflows und Data Services und ist mit dem Release 2026.06-ext2 (Oktober 2026) auch als Community-Komponente für externe Projekte freigegeben. Das Feature befindet sich weiterhin in aktiver Entwicklung, Änderungen an der API sind daher jederzeit möglich.

Business Scripting verringert eine Lücke, die in A12-Projekten seit Langem bekannt ist. Wie weit die neue Eigenständigkeit von Modellierenden in der Praxis tatsächlich reicht, wird sich im Einsatz zeigen.

Mehr zur A12 AI Low Code-Plattform erfahren Sie auf unserem A12-Nutzerportal getA12.com.

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Kirstin Mueller
Kirstin Müller arbeitet als Redakteurin bei mgm technology partners im Marketing und erstellt Content rund um die A12-Plattform, den Software Lifecycle sowie die Themen AI und Quality Assurance.