Der Deutschland-Stack: Warum die Verwaltungsdigitalisierung jetzt ein gemeinsames Fundament braucht

Zuletzt aktualisiert am: 16. April 2026

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat die zweite Konsultationsrunde zum Deutschland-Stack abgeschlossen. Nach dem ersten Aufschlag im Herbst 2025 wurden Technologiefelder wie agentische und generative Künstliche Intelligenz und virtualisierte Infrastrukturen weiter ausdefiniert. IT- und Digitalwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft waren eingeladen, ihre Expertise einzubringen. Die Resonanz zeigt: Der Deutschland-Stack ist kein abstraktes Strategiepapier mehr, sondern ein Vorhaben, das Fahrt aufnimmt.

Für uns als mgm technology partners ist das ein guter Anlass, Position zu beziehen: Was steckt hinter dem Deutschland-Stack? Warum ist er für die Verwaltungsdigitalisierung so bedeutsam? Und wie können unsere Lösungen dazu beitragen, dass aus dem Konzept Wirklichkeit wird?

Die Ausgangslage: Viele Bausteine, aber kein gemeinsames Fundament

Deutschland verfügt über zahlreiche digitale Bausteine für die Öffentliche Verwaltung – von der BundID über ELSTER bis hin zu einzelnen OZG-Diensten. Doch wer heute als Bürgerin oder Bürger eine Unternehmensgründung, einen Bauantrag oder eine Sozialleistung digital abwickeln möchte, stößt schnell auf Systembrüche, redundante Dateneingaben und inkompatible Insellösungen. Was fehlt, ist ein verbindender Rahmen – eine gemeinsame digitale Infrastruktur, die über föderale Ebenen hinweg funktioniert. Genau hier setzt der Deutschland-Stack an.

Was ist der Deutschland-Stack?

Der Deutschland-Stack ist eines der zentralen Digitalvorhaben der Bundesregierung. Verantwortet vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, soll er eine souveräne, interoperable und europäisch anschlussfähige Technologie-Plattform schaffen, die Bund, Ländern und Kommunen gemeinsame Basiskomponenten bereitstellt: Von der digitalen Identität und dem elektronischen Bezahlen über das Once-Only-Prinzip bis hin zu KI-gestützten Planungs- und Genehmigungsplattformen.

Der Anspruch geht bewusst über einzelne Digitalisierungsprojekte hinaus. Es geht darum, ein Ökosystem offener Innovationen aufzubauen, das auf offenen Standards basiert, modulare Bausteine bereitstellt und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduziert. Der Deutschland-Stack soll dabei nicht isoliert stehen, sondern sich in europäische Initiativen wie den EuroStack, GovStack und die EUDI-Wallet einfügen.

Warum der Deutschland-Stack für die Verwaltung entscheidend ist

Die Erwartungen an den Deutschland-Stack sind hoch. Drei zentrale Versprechen stehen im Raum:

  • Schluss mit Insellösungen. Statt hundertfach entwickelter Einzellösungen soll der Deutschland-Stack wiederverwendbare Komponenten bereitstellen, die länderübergreifend einsetzbar sind.
  • Digitale Souveränität als Infrastrukturfrage. Die Debatte um Abhängigkeiten von US-amerikanischen Cloud-Anbietern und die Reichweite von Gesetzen wie dem US CLOUD Act hat gezeigt: Souveränität beginnt bei der Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur. Der Deutschland-Stack verfolgt den Ansatz, Basiskomponenten unter europäischer Verantwortung zu entwickeln – auf Basis offener Standards und bevorzugt auf Basis von Open Source-Software.
  • Vertrauen durch Transparenz. In einer Zeit, in der das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates unter Druck steht, kann eine funktionsfähige digitale Verwaltung ein kraftvolles Signal senden. Medienbruchfreie, schnelle und nachvollziehbare Prozesse sind nicht nur eine Effizienzfrage – sie sind ein Beitrag zur demokratischen Legitimation.

Die Rolle von IT-Dienstleistern: Vom Auftragnehmer zum Ökosystem-Partner

Der Deutschland-Stack ist kein Projekt, das die Öffentliche Verwaltung allein stemmen kann. Dass beide Konsultationsrunden die IT- und Digitalwirtschaft, Start-ups und Zivilgesellschaft explizit eingebunden haben, ist ein wichtiges Signal: Der Deutschland-Stack soll kein geschlossenes Regierungsprojekt sein, sondern ein offenes Ökosystem, in dem Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenwirken. Die Ergebnisse der zweiten Runde werden nun in die weitere Ausgestaltung einfließen.

Für IT-Dienstleister ergibt sich daraus eine Rolle, die weit über die klassische Auftragsentwicklung hinausgeht. Gefragt sind Partner, die drei Dinge mitbringen:

1. Tiefes Verständnis für die Verwaltung und ihre Besonderheiten
Die Öffentliche Verwaltung ist kein gewöhnlicher Kunde. Föderale Strukturen, komplexe Rechtsgrundlagen, heterogene IT-Landschaften und hohe Sicherheitsanforderungen machen Digitalisierungsprojekte im öffentlichen Sektor besonders anspruchsvoll. Wer hier als Technologiepartner bestehen will, braucht mehr als gute Software – es braucht jahrelange Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Behörden auf allen Ebenen.

Wir bringen genau diese Erfahrung mit. Seit über 20 Jahren entwickeln wir Anwendungen für die Öffentliche Verwaltung. Über unsere Software übermitteln mehr als 50 Millionen Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen jährlich ihre Steuerdaten. Mehrere Hundert Mitarbeitende bei mgm fokussieren sich ausschließlich auf den Öffentlichen Sektor. Wir kennen die spezifischen Herausforderungen – und wir kennen die Menschen, die täglich an einer besseren Verwaltung arbeiten.

2. Technologie, die auf Wiederverwendbarkeit und Offenheit setzt
Der Deutschland-Stack fordert modulare, interoperable und auf offenen Standards basierende Lösungen. Das ist exakt der Ansatz, den wir mit unserer A12 Enterprise AI Low Code-Plattform seit Jahren verfolgen. A12 ist ein wichtiger technologischer Baustein von ELSTER – einer der bekanntesten und transaktionsstärksten E-Government-Anwendungen Deutschlands – über MODUL-F, dem Digitalbaukasten für Fachverfahren, der mit Gold beim eGovernment-Wettbewerb ausgezeichnet wurde bis zur Anwendung zur Ablösung von Access-Datenbanken in Schleswig-Holstein.

A12 wird im Mai 2026 Open Source gestellt und ermöglicht es, komplexe Verwaltungsanwendungen modellbasiert zu entwickeln – schneller, wartbarer und nachnutzbar. Das Prinzip: Fachexpertinnen und Fachexperten können ohne tiefe Programmierkenntnisse Anwendungslogik gestalten, während die Plattform die technische Komplexität abstrahiert. Genau dieses Paradigma – Fachlichkeit vor Technik, Wiederverwendung vor Neuentwicklung – ist der Kern dessen, was der Deutschland-Stack auf Infrastrukturebene leisten will.

Modell-basierte Entwicklung bildet zugleich die Grundlage für Agentic Coding – den Einsatz KI-gestützter Entwicklungswerkzeuge, die auf strukturierten Modellen und maschinenlesbaren Spezifikationen aufsetzen. A12 ist so konzipiert, dass generative KI-Systeme die definierten Fachmodelle direkt lesen, interpretieren und zur Codegenerierung nutzen können. Auch in diesem Bereich setzen wir konsequent auf offene Technologien und Tools – von Open-Source-Sprachmodellen bis hin zu offenen Entwicklungsumgebungen –, um Abhängigkeiten zu vermeiden und die Nachnutzbarkeit im Sinne des Deutschland-Stacks sicherzustellen.

3. Engagement für digitale Souveränität als Haltung

Digitale Souveränität ist für uns gelebte Praxis. Als Mitglied der Open Source Business Alliance (OSBA) setzen wir uns aktiv für den Einsatz offener Software in der Öffentlichen Verwaltung ein. Im November 2025 haben wir die „Declaration of Digital Independence” mitunterzeichnet. Und als neues Mitglied von GovTech Deutschland arbeiten wir gemeinsam mit anderen Akteuren aus Verwaltung und Wirtschaft daran, die Handlungsfähigkeit des Staates durch moderne digitale Lösungen nachhaltig zu stärken.

Unsere Überzeugung: Souveränität entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch Selbstbestimmung – über den eigenen Code, über die eigenen Daten, über die Fähigkeit, Systeme unabhängig weiterzuentwickeln und gemäß eigener Anforderungen sicher zu betreiben. Diesen Grundsatz verfolgen wir in jedem Projekt.

Wir orientieren uns dabei an den Entwicklungen des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) und unterstützen dessen Ansätze. Unsere Open Source-Lösungen werden auf openCode.de veröffentlicht, der zentralen Plattform für Open Source-Software der Öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Darüber hinaus prüfen wir die Bereitstellung eines Projekt-Templates, das auf den Build- und Deployment-Pipelines von openCode aufbaut.

Neben dem nationalen Engagement sind wir auch Teil von europäischen Initiativen, wie beispielsweise bei der Konsultation zur Stärkung des Einsatzes von Open Source-Software innerhalb der EU. Unsere Lösungen sind im OSS Solution Catalogue der EU-Kommission veröffentlicht. Unser Ziel ist es, den Austausch zwischen europäischen Akteuren zu fördern und dazu beizutragen, dass digitale Souveränität nicht nur als nationales, sondern als gesamteuropäisches Vorhaben verstanden und umgesetzt wird.

Vom Stack zur Wirkung: Was jetzt passieren muss

Mit dem Abschluss der zweiten Konsultationsrunde beginnt eine entscheidende Phase. Die Konturen des Deutschland-Stacks sind deutlich schärfer geworden – nun muss aus dem Konzept eine belastbare Umsetzungsstrategie werden. Damit der Deutschland-Stack sein Potenzial entfaltet, braucht es aus unserer Sicht drei Dinge:

  • Verbindlichkeit bei Standards und Governance. Der föderale Rahmen muss klare Zuständigkeiten definieren – wer entwickelt, wer betreibt, wer integriert. Ohne verbindliche Architekturvorgaben und eine funktionsfähige Governance droht der Deutschland-Stack ein weiteres Strategiepapier zu bleiben.
  • Konsequenter Einsatz offener Technologien. Offene Standards und Open Source-Software dürfen keine optionalen Bausteine sein, sondern müssen das Fundament bilden. Nur so lassen sich Abhängigkeiten vermeiden und ein echtes Ökosystem aufbauen, in dem auch mittelständische Anbieter und Start-ups einen Beitrag leisten können.
  • Pragmatismus in der Umsetzung. Der Deutschland-Stack muss iterativ wachsen – nicht als Großprojekt auf dem Reißbrett, sondern durch schrittweise Integration bewährter Komponenten. Projekte wie MODUL-F, die OZG-Cloud oder die Registermodernisierung zeigen bereits heute, wie eine komponentenbasierte Verwaltungsdigitalisierung funktionieren kann.

Unser Angebot an die Verwaltung

mgm technology partners steht bereit, den Deutschland-Stack als Technologie- und Umsetzungspartner mitzugestalten. Wir bringen Plattformtechnologie, Branchenexpertise und ein klares Bekenntnis zu offenen Standards mit. Vor allem aber bringen wir die Überzeugung mit, dass die Digitalisierung der Verwaltung keine technische Pflichtübung ist – sondern eine Chance, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in einen leistungsfähigen Staat zu stärken.

Sprechen Sie mit uns darüber, wie wir gemeinsam die digitale Infrastruktur von morgen aufbauen können.

Janos Standt
Janos Standt leitet bei mgm den Bereich Public Sector. Gemeinsam mit den verschiedenen Auftraggebern der öffentlichen Verwaltung bringt er digitale Anwendungssysteme in Produktion. Im Mittelpunkt steht eine effiziente Verwaltungsdigitalisierung, die er mit dem gezielten Einsatz der A12 Enterprise-Lowcode-Plattform vorantreibt. Zudem vertritt er mgm als Mitglied beim Nationalen E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ), dem Databund, der German Low Code Association, der Open Source Business Alliance (OSBA) sowie in weiteren Gremien.