Zuletzt aktualisiert am: 28. Januar 2026
Eine gezielte Software-Modernisierung kann eine schnelle und risikoarme Alternative zum Replatforming sein. In diesem Beispiel wird gezeigt, wie sich die Storefront eines bestehenden Shopsystems an die Anforderungen des Marketings anpassen lässt, ohne das Backend zu ersetzen.
Unternehmen müssen ihre digitalen Plattformen und Systeme kontinuierlich modernisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt insbesondere im E-Commerce, wo sich Kundenanforderungen und technologische Rahmenbedingungen laufend verändern. Eine effektive Möglichkeit dafür ist die gezielte Nachrüstung bestehender Systeme. Genau hier setzt das Konzept des Software-Retrofittings an.
Software-Modernisierung als Alternative zum Replatforming
Wenn Software-Systeme den Geschäftsanforderungen nicht mehr genügen, sind Veränderungen notwendig. Häufig lassen sich durch überschaubare, gezielte Maßnahmen deutliche Verbesserungen erzielen, ohne eine bestehende Lösung grundsätzlich infrage zu stellen. Software-Retrofitting ist in vielen Fällen eine schnelle und wirtschaftliche Alternative zu einem umfassenden Replatforming.
Schneller zu messbaren Verbesserungen
Im Gegensatz zum Replatforming werden Systeme beim Retrofit nicht vollständig ersetzt oder umgebaut. Ziel ist es, mit möglichst geringem Aufwand in kurzer Zeit eine klar definierte Verbesserung zu erreichen. Der Fokus liegt auf Bereichen mit hohem Nutzenpotenzial. Dadurch lassen sich Projekte mit kleineren Teams realisieren und Ergebnisse schneller messen.
Risiken der Veränderung reduzieren
Eingriffe in bestehende Software-Systeme sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. Besonders hoch sind diese bei groß angelegten Replatforming-Projekten, bei denen komplexe, historisch gewachsene Systeme im laufenden Betrieb transformiert werden. Retrofit-Ansätze teilen solche Vorhaben in kleinere, gezielte Schritte auf. Aufwand und Risiko bleiben dadurch beherrschbar.
Aufbau und Vorgehen bei einem Software-Retrofit
Der wesentliche Vorteil einer gezielten Software-Modernisierung besteht darin, dass Eingriffe in ein bestehendes System sehr fokussiert erfolgen. Aufwand und Risiko sind dadurch gut kalkulierbar. Voraussetzung ist jedoch, dass Zielsetzung und Vorgehen vorab klar definiert werden. Zusätzlich müssen querschnittliche Anforderungen frühzeitig identifiziert werden, da sie maßgeblichen Einfluss auf Planung und Umsetzung haben.
Zielsetzung
Welche konkreten Verbesserungen sollen durch den Software-Retrofit erreicht werden? Welche Prozesse sollen optimiert werden? Welche Fachabteilungen sollen befähigt werden und wofür? Welche neuen oder erweiterten Produkte sollen entstehen? Wie wird der Erfolg gemessen, beispielsweise anhand klar definierter KPIs?
Vorgehen
Wie wird die gewünschte Verbesserung erreicht? Erfolgt die Umsetzung in aufeinanderfolgenden oder parallelen Arbeitspaketen? Welche Rollen und Verantwortlichkeiten sind beteiligt? Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, Entwicklung und Projektsteuerung organisiert?
Teilprojekte
Wie lässt sich die Umsetzung sinnvoll strukturieren, um Abhängigkeiten zu reduzieren und paralleles Arbeiten zu ermöglichen? Welche fachlichen oder technischen Bausteine bilden jeweils ein Teilprojekt?
Querschnittliche Aspekte
Welche fachlichen, technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen sind für die Umsetzung relevant? In welchem Nutzungskontext stehen die entwickelten Komponenten? Welche internen und externen Anforderungen müssen berücksichtigt werden, etwa in Bezug auf Betrieb, Sicherheit, SEO oder regulatorische Vorgaben?
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Software-Retrofit ein effizienter Ansatz zur gezielten Ertüchtigung bestehender Systeme ist. Der Umfang reicht von einzelnen Maßnahmen bis hin zu größeren Modernisierungsvorhaben mit mehreren Teilprojekten.
Beispiel: Frontend-Modernisierung bei einem B2B/B2C-Händler
Für einen international agierenden Versandhändler für Betriebs-, Lager- und Büroausstattung wurde ein Software-Retrofit des Online-Shops umgesetzt. Ziel war es, die bestehende Storefront durch eine flexiblere Lösung zu ersetzen und das Marketing in die Lage zu versetzen, Kampagneninhalte eigenständig zu erstellen und zu veröffentlichen.
Ausgangssituation: Monolithisches Shopsystem stößt an Grenzen
Der Online-Shop basierte auf einem monolithischen E-Commerce-System, in dem Frontend und Backend eng miteinander verzahnt waren. Die grundlegenden Verkaufsfunktionen wurden zuverlässig abgedeckt. Für das flexible Erstellen von Landingpages oder Kampagneninhalten war das System jedoch nicht ausgelegt.
Selbst kleinere inhaltliche Erweiterungen erforderten Unterstützung durch die IT. Die Umsetzungszeiten waren entsprechend lang. Als Folge entstanden Workarounds und eine Schatten-IT im Marketing.
Herausforderung: Technische Basis erhalten, Frontend flexibilisieren
Ziel war es, das Frontend vom Backend zu entkoppeln und nach dem Headless-Prinzip neu zu entwickeln. Das bestehende E-Commerce-System sollte dabei erhalten bleiben. Die neue Storefront sollte Funktionen für ein nutzerfreundliches Content-Management bereitstellen.
Im Rahmen der Umstellung mussten zahlreiche querschnittliche Anforderungen berücksichtigt werden. Dazu zählten unter anderem Internationalisierung für mehrere Märkte, die Einbindung externer Skripte, responsives Design, unterschiedliche Oberflächen für B2B- und B2C-Kunden, Preislogiken und Kundengruppen, SEO inklusive URL-Erhalt und Core Web Vitals, Routing für den Hybridbetrieb, Web-Security sowie Barrierefreiheit nach BFSG.
Lösung: Schrittweise Umstellung auf eine Headless Storefront
Die Entwicklung der neuen Storefront erfolgte iterativ. Zunächst wurde die technische Machbarkeit in einem Proof of Concept geprüft. Anschließend wurden Abhängigkeiten zur bestehenden Infrastruktur reduziert und eine neue Storefront entwickelt. Diese wurde im Hybridbetrieb getestet und schrittweise ausgerollt.
Ergebnis: Schnell und flexibel auf neue Anforderungen reagieren
Heute verfügt das Unternehmen über eine flexible Headless Storefront. Marketinginhalte können eigenständig erstellt und veröffentlicht werden, ohne Einbindung der IT. Die Time-to-Market für Kampagnen konnte deutlich reduziert werden.
Durch die technische Trennung von Frontend und Backend lassen sich neue Funktionen und Inhalte umsetzen, ohne das Risiko für das Kernsystem zu erhöhen. Die modulare Struktur schafft zudem die Grundlage für eine weitere Entwicklung in Richtung Composable Commerce.
Fazit: Groß denken, schlank starten
Gezielte Software-Modernisierung eignet sich besonders dann, wenn schnell konkrete Probleme gelöst oder Potenziale gehoben werden sollen. Statt ein E-Commerce-System vollständig umzubauen, genügt im beschriebenen Beispiel die Modernisierung des Frontends, um die Vermarktung deutlich zu verbessern.
Entscheidend für den langfristigen Erfolg von Retrofit-Projekten ist, gezielte Maßnahmen immer im Kontext einer langfristigen Zielarchitektur zu denken. Das Headless Frontend bildet hier den ersten Schritt für eine weitergehende Modularisierung des gesamten Systems.
Wann ist ein Headless Frontend sinnvoll?
Ein Headless Frontend ist sinnvoll, wenn das bestehende Shopsystem funktional stabil ist, die Präsentations- und Content-Ebene jedoch nicht mehr den Anforderungen von Marketing, SEO oder Internationalisierung genügt. Typische Auslöser sind lange Umsetzungszeiten für Landingpages, geringe Gestaltungsfreiheit oder eine starke Abhängigkeit von der IT bei inhaltlichen Änderungen.
Ist ein Headless Frontend ein Replatforming?
Nein. Bei einem Headless-Ansatz wird das bestehende Backend weiter genutzt. Es handelt sich um eine gezielte Modernisierung der Storefront. Ein späteres Replatforming kann vorbereitet werden, ist aber nicht zwingend Teil des Projekts.
Welche Vorteile hat Headless speziell für Marketing-Teams?
Marketing kann Inhalte, Kampagnen und Landingpages eigenständig pflegen und veröffentlichen. Abhängigkeiten von Release-Zyklen der IT entfallen weitgehend. Dadurch verkürzt sich die Time-to-Market spürbar.
Welche Risiken bringt eine Headless-Architektur mit sich?
Der initiale Architektur- und Integrationsaufwand ist höher als bei klassischen Templatesystemen. Ohne saubere Planung können SEO, Performance oder Betrieb unnötig komplex werden. Headless lohnt sich nur, wenn die zusätzlichen Freiheitsgrade tatsächlich genutzt werden.
Wie wirkt sich ein Headless Frontend auf SEO aus?
SEO ist mit Headless grundsätzlich gut beherrschbar, erfordert aber saubere technische Umsetzung. Dazu gehören kontrolliertes Routing, der Erhalt bestehender URLs, korrektes Rendering sowie stabile Core Web Vitals. Headless ist kein SEO-Boost per se, aber auch kein Nachteil, wenn es richtig umgesetzt wird.
Kann ein Headless Frontend schrittweise eingeführt werden?
Ja. Häufig werden zunächst einzelne Seiten oder Seitentypen umgestellt und parallel zur bestehenden Storefront betrieben. Dieser hybride Ansatz reduziert Risiken und erlaubt eine schrittweise Migration.
Ist ein Headless Frontend auch für B2B-Shops geeignet?
Gerade im B2B ist Headless oft sinnvoll, da komplexe Preislogiken, unterschiedliche Kundengruppen und individualisierte Inhalte im Frontend flexibel abgebildet werden können, ohne das Backend zu überladen.





