KI-Agenten in der Verwaltung: So bleiben Behörden souverän

Agentic Coding mit ESACA

Zuletzt aktualisiert am: 13. Oktober 2026

KI-Agenten können einen großen Teil der Personallücke in der Verwaltung schließen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Feste Regeln erledigen, was feststeht, KI-Agenten bereiten vor, und Menschen treffen jede verbindliche Entscheidung. Außerdem müssen Quellcode und Daten im eigenen Haus bleiben. Dieser Artikel erklärt, was KI-Agenten leisten, wo die Risiken liegen und wie eine Behörde einsteigen kann.

Was KI-Agenten in der Verwaltung leisten können

Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit einem Sprachmodell nicht nur Fragen beantwortet, sondern Aufgaben in mehreren Schritten selbstständig erledigt. Ein KI-Coding-Agent liest zum Beispiel bestehenden Code, dokumentiert ihn, schreibt Tests und baut Systeme um. Für solche Aufgaben haben Entwicklungsteams bisher Tage gebraucht.

Für die Verwaltung kommt das zur richtigen Zeit. Laut einer Studie von McKinsey fehlen dem öffentlichen Dienst bis 2030 rund 140.000 IT-Fachkräfte. Im selben Zeitraum gehen mehr als 1,5 Millionen Beschäftigte in den Ruhestand und nehmen Wissen über Fachverfahren mit, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Gleichzeitig muss die Verwaltung mehr Software bauen und modernisieren als je zuvor.

Warum Werkzeuge aus der US-Cloud ein Risiko sind

Die gängigen KI-Coding-Werkzeuge stammen überwiegend von US-Anbietern und laufen in deren Cloud. Damit gilt der US CLOUD Act. Er verpflichtet US-Anbieter, Daten auf Anordnung an US-Behörden herauszugeben, auch wenn die Daten außerhalb der USA gespeichert sind. Quellcode, Zugangsdaten und Architekturwissen einer Behörde gehören deshalb nicht in eine solche Umgebung.

Ein Verbot löst das Problem nicht. In einer weltweiten Studie von KPMG und der University of Melbourne gibt fast jede zweite Person, die KI bei der Arbeit nutzt, an, dabei gegen Regeln des Arbeitgebers zu verstoßen. Besonders häufig geschieht das dort, wo generative KI verboten ist. Behörden brauchen also eine Alternative, die sicher ist und trotzdem genutzt wird.

Das Prinzip: Regeln, Agenten, Menschen

Bei mgm arbeiten wir nach einer festen Arbeitsteilung, die wir zuerst in der Versicherungswirtschaft eingesetzt haben. In der Cosmo Agentic Underwriting Workbench arbeiten seit September 2026 KI-Agenten und Underwriter als Team. Für die Verwaltung übertragen wir dieses Prinzip auf drei Ebenen:

  • Feste Regeln erledigen, was eindeutig festgelegt ist: Fristen, Schemata, automatische Tests.
  • KI-Agenten bereiten vor: Sie lesen Unterlagen, entwerfen Vorschläge und bauen Software-Anpassungen.
  • Menschen entscheiden: Fachabteilung und Sachbearbeitung prüfen, üben Ermessen aus und geben frei.

Das funktioniert wie eine gut vorbereitete Akte. Die Agenten legen alles bereit und markieren, was fehlt. Unterschreiben muss aber weiterhin eine zuständige Person. So gewinnt die Behörde Tempo, ohne Verantwortung abzugeben.

Zwei Beispiele aus der Verwaltung

Wie das in der Praxis aussieht, haben wir an zwei Beispielen gezeigt. Beide arbeiten mit erfundenen Daten.

Bauaufsicht: In einem Demonstrator liegt in der Bauaufsicht einer Stadt ein Antrag mit 147 Seiten und zwölf Anlagen vor, eingegangen per PDF, Excel, E-Mail und Post. KI-Agenten lesen und ordnen die Unterlagen und belegen jede Angabe mit ihrer Quellenstelle. Offene Punkte wie die Zustimmung des Nachbarn markieren sie, statt sie zu entscheiden. Am Ende steht ein Vorschlag, den eine Sachbearbeiterin oder ein Sachbearbeiter prüft und zeichnet.

Fahrerlaubnis: Im zweiten Beispiel wird die Verlängerung der Fahrerlaubnis zur digitalen Verwaltungsleistung. Grundlage ist das FIM-Schema der Leistung. FIM steht für Föderales Informationsmanagement, den Standard, mit dem Bund und Länder Verwaltungsleistungen einheitlich beschreiben. Aus diesem Schema erzeugen feste Regeln das Grundgerüst der Anwendung auf der A12 AI Low Code Plattform. KI-Agenten bauen nur die Anpassungen, die das Schema nicht abdeckt. Im aufgezeichneten Referenzlauf entsprachen 28 von 28 Feldern dem Schema, und der automatische Testlauf vom Antrag bis zum Bescheid dauerte 1,4 Minuten. Freigegeben hat ein Mensch.

A12 ist in der Verwaltung bereits im Einsatz. Schleswig-Holstein löst damit über 100 Fachverfahren auf Basis von Microsoft Access ab. Seit Mai 2026 ist A12 als Community Edition unter der Open-Source-Lizenz EUPL 1.2 frei verfügbar.

Was sich für die Beschäftigten ändert

KI-Agenten verändern die Arbeit spürbar. Bei mgm nutzen rund 700 Beschäftigte aus Entwicklung, Analyse, Test und Projektleitung täglich KI-Coding-Werkzeuge. Dabei zeigt sich: Wer Agenten führt, macht weniger selbst und entscheidet mehr. Aus Machern werden Manager.

Das ist für viele eine Umstellung, die Ausbildung und neue Rollen braucht. Hinzu kommt Druck, weil mehr erwartet wird, wenn mehr möglich ist. In der Sachbearbeitung steht dieser Wandel noch bevor. Behörden sollten die Einführung von KI-Agenten deshalb organisatorisch genauso sorgfältig planen wie technisch.

Souveräne KI-Agenten in der Praxis: das Beispiel ESACA

Eine Umsetzung, die Code und Daten im Haus hält, ist ESACA, die European Sovereign Agentic Coding Appliance. mgm hat diese gemeinsam mit Fsas Technologies, einem Unternehmen von Fujitsu, entwickelt. Fsas bringt die KI-Plattform OSAI, Hardware und Betrieb ein, mgm Architektur, Softwareentwicklung und A12. Die Sprachmodelle stammen von Partnern.

ESACA läuft On-Premise, also im eigenen Rechenzentrum der Behörde, auf Wunsch vollständig ohne Internetverbindung. Wo die Behörde Cloud zulässt, kann sie für einzelne Aufgaben gezielt ein Cloud-Modell einbinden. Für Entscheider sind vier Eigenschaften wichtig:

  • Kontrolle: Jeder Agent arbeitet in einer abgeschotteten Sandbox und sieht keine Zugangsdaten. Die Sicherheit steckt in der Architektur, nicht in einer Richtlinie.
  • Nachvollziehbarkeit: Jeder Lauf ist protokolliert und endet mit einer verbindlichen Prüfung durch einen Menschen.
  • Investitionssicherheit: Ein Benchmark misst Modelle an der eigenen Codebasis und Hardware, bevor Haushaltsmittel fließen. Modelle und Agenten bleiben austauschbar.
  • Wissen, das bleibt: Bewährte Regeln und Agenten-Konfigurationen landen in einem gemeinsamen Hub und bleiben im Haus, auch wenn erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen.

So steigt eine Verwaltung ein

Der Einstieg gelingt am besten mit einem Pilotprojekt an einem echten Verfahren, gemessen an Zeit und Kosten. Eine Behörde braucht dafür drei Dinge: ein Fachverfahren, mit dem sie anfangen will, einen Platz im eigenen Rechenzentrum und Menschen, die die Ergebnisse prüfen und freigeben. Einrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen können Leistungen von mgm über den Low-Code-Rahmenvertrag des Bundes abrufen.

Vorträge zu ESACA auf der SCCON:

Di., 13.10., 11:30-11:45 Uhr
„Sicher KI-gestützt Fachverfahren entwickeln, aber wie? Mit Europas erstem Komplettsystem: ESACA – Souverän ist, wer seinen Code behält.“
Speaker: Dr. Jan Jikeli, Head of AI, mgm & Karl Hausdorf, Head of AI Business, Fsas Technologies (Fujitsu)

Di., 13.10.2026: 13:30-14:00 Uhr
„KI unter eigener Kontrolle – mehr Tempo für die Verwaltung“
Speaker: Dr. Jan Jikeli, Head of AI, mgm & Karl Hausdorf, Head of AI Business, Fsas Technologies (Fujitsu)

Weitere Informationen:

Dr. Jan Jikeli bringt langjährige Erfahrung in der Umsetzung und Weiterentwicklung von KI-Lösungen in unterschiedlichsten Branchen mit. Als Physiker mit tiefem Verständnis für datenbasierte Entscheidungsprozesse leitet er als Head of AI bei mgm technology partners ein Team, das innovative KI-Lösungen entwickelt – mit dem Ziel, nachhaltige Effizienzgewinne und messbare Wettbewerbsvorteile für Unternehmen zu schaffen.
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