Zuletzt aktualisiert am: 2. September 2026
Wie lässt sich technologischer Fortschritt mit Verantwortung in Einklang bringen? Um diese Frage drehte sich die Eröffnungskeynote auf dem Fsas Technologies Summit 2026, der am 1. und 2. Juli im Showpalast München stattfand. Fsas Technologies, ein Unternehmen der Fujitsu Group, ist ein Datacenter-Lösungsanbieter mit europäisch-japanischem Hintergrund. Das Summit brachte an zwei Tagen insgesamt rund 2.100 Menschen zusammen: Kunden, Partner und IT-Interessierte. Auf der Agenda standen unter anderem die Themen Künstliche Intelligenz, Digitale Souveränität und der Aufbau zukunftsfähiger IT-Infrastrukturen.
Der Fsas Technologies Summit 2026
Santosh Wadwa, Vice President & Head of Platform Business Germany bei Fsas Technologies, brachte die Ausgangslage auf den Punkt: „Die digitale Transformation beschäftigt jedes Unternehmen in Deutschland, egal ob es sich um einen privaten oder öffentlichen Auftraggeber handelt. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cyber Security und Quantencomputing treiben die Innovation voran. Gleichzeitig wachsen aber auch die geopolitischen Abhängigkeiten, die Kosten und Risiken sowie die rechtlichen Herausforderungen.“
Dieser Spannungsbogen zog sich durch das gesamte Programm. In den Breakout-Sessions wurden gesellschaftliche und technologische Megatrends sowie ihre konkreten Auswirkungen auf die eigene IT-Strategie von Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern thematisiert. Ergänzt wurde dies durch reale Kunden-Showcases aus dem Datacenter-Umfeld. In ihrer Keynote brachte die Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel die Leitfrage des Summits auf den Punkt: „Wie schaffen wir Resilienz, digitale Souveränität und Vertrauen?” Europa brauche dafür eine Industriepolitik, die sich klar an den eigenen Stärken orientiert.

Agentic Coding für kritische Infrastruktur: Dr. Jan Jikelis Vortrag
Wie Digitale Souveränität in der Softwareentwicklung konkret aussehen kann, zeigte Dr. Jan Jikeli, Head of Artificial Intelligence bei mgm technology partners, in seinem Beitrag “Agentic Coding ohne Datenabfluss: im Zuge der Breakout-Session „Private AI: Wie der Mittelstand sicher mit generativer KI arbeitet“ mit Tatjana Greim, Fsas Technologies, und Thorsten Mennig, BYTEC Bodry Technology GmbH. Im Zentrum stand ESACA, die European Sovereign Agentic Coding Appliance, die mgm gemeinsam mit Fsas Technologies entwickelt hat.
Den Ausgangspunkt bilde ein Produktivitätssprung, der die Softwareentwicklung derzeit grundlegend verändert, so Jan Jikeli: „Moderne Agentensysteme können Aufgaben lösen, Coding-Aufgaben, Testing-Aufgaben, die ungefähr 100 Stunden lang sind. Wir gehen davon aus, dass dieser Produktivitätssprung weiter steigen wird.“
Das Problem dabei ist, dass sich die gängigen Coding-Assistenten in kritischer Infrastruktur nicht einsetzen lassen. Denn dabei verlässt geistiges Eigentum das Haus, was zu einem Compliance-Konflikt führt. Ob Steuerdaten oder andere sensible Informationen: Jedes KRITIS-Unternehmen hat Daten, die es nicht nach außen geben darf oder will.
Der Ansatz: Agentic Coding ohne Datenabfluss aus dem Rechenzentrum
Die technischen Bausteine für souveränes agentisches Coding existieren bereits in Form von Open-Source-Modellen und -Agentensystemen sowie lokaler Infrastruktur. Viele KRITIS-Unternehmen stellen deshalb entsprechende Umgebungen selbst bereit. ESACA professionalisiert diesen Ansatz und mgm bringt die Erfahrung aus mehreren Jahren agentischer Entwicklung im Commerce- und Versicherungsumfeld ein, damit KRITIS-Unternehmen schneller produktiv werden können. Vier Prinzipien sind dafür zentral:
- 1. Air-gapped: Das System ist vollständig vom Internet getrennt, es gibt keine ein- oder ausgehenden Verbindungen. Die Modelle werden vor Ort ausgeführt, Paketmanager greifen auf interne Mirror-Repositories zu und der Agent arbeitet ausschließlich mit lokal verfügbaren Werkzeugen. Dies ist für Hochsicherheitsumgebungen wie Behörden oder Finanzinstitute oft zwingend erforderlich.
- 2. Souveräne Modelle: Es kommen Modelle zum Einsatz, über die das Unternehmen selbst die Kontrolle behält.
- 3. Open Source: Die Architektur setzt konsequent auf offene Komponenten, ohne Vendor-Lock-in.
- 4. Audit-fähig by design: Jede Aktion eines Agenten ist nachvollziehbar, protokolliert und überprüfbar. Dies ist keine nachträgliche Zusatzfunktion, sondern eine architektonische Grundentscheidung. Der Audit-Trail hält fest, welche Dateien gelesen oder geändert wurden, welche Befehle mit welchem Ergebnis ausgeführt wurden und an welchen Punkten ein Mensch eine Aktion freigegeben hat. Gerade weil Agenten autonom hunderte Schritte ausführen können, bevor ein Mensch eingreift, ist diese lückenlose Nachvollziehbarkeit für regulierte Umgebungen unverzichtbar.
Workbench und Benchmark: Der Produktivitätssprung mit Open-Source-Modellen
Ein Einwand liegt nahe: Können Open-Source-Modelle mit den Frontier-Modellen der großen Anbieter überhaupt mithalten? Zwar wächst auch bei Open-Source-Modellen die Fähigkeit der Agenten exponentiell, allerdings mit Abstand: Der Unterschied zu den Frontier-Modellen beträgt derzeit etwa das Siebenfache. Die zentrale Erkenntnis aus der Praxis von mgm lautet jedoch: Wenn die Umgebung richtig aufgebaut wird, lässt sich der Produktivitätssprung auch mit Open-Source-Modellen erreichen.
Dazu sind zwei Tools erforderlich: die Workbench und der Benchmark.
- Die Workbench ist ein sicheres Framework für agentisches Entwickeln. Ihre Oberfläche verbindet Multi-Agenten-Coding im Enterprise-Kontext mit Jira, GitHub und Bitbucket und orchestriert Agenten entlang des gesamten Software-Entwicklungszyklus. Das Kernprinzip besteht aus drei Phasen: (1) einem Planungsschritt („Smart Context”) mit dem passenden Tooling, (2) der Agentic Execution, die besonders gut mit Open-Source-Modellen funktioniert, und (3) einer deterministischen Validierung. Erst diese Kombination macht agentisch entwickelte Software wirklich produktionsreif.
- Der Benchmark beweist, dass die Agenten echten Mehrwert liefern. Es gibt Tausende öffentliche Benchmarks, doch keiner davon läuft auf den Systemen, Tasks und Repositories des eigenen Unternehmens. Das Benchmarking-Tool von ESACA macht das Agentensystem genau dort messbar, wo es zählt: in der eigenen Umgebung.
Das AI Adoption Framework: Das Tooling allein reicht nicht aus.
Ein mindestens ebenso wichtiger Faktor wie die Technik ist die Befähigung der Organisation. Dafür hat mgm das „AI Adoption Framework“ entwickelt. Es beschreibt fünf Stufen: vom „AI Assistant“ über „AI Agents“ und „Multi-Agent-Orchestrierung“ bis hin zu autonomen und schließlich „AI-nativen“ Systemen, in denen Agenten durch Feedback voneinander lernen. Die großen Versprechen der KI-Welt lösen sich jedoch erst ab den höheren Stufen ein, wenn Agenten selbstgesteuert und adaptiv arbeiten. Erst dann beginnen sich Geschäftsmodelle zu transformieren, denn nur ein System, das als Ganzes eigenständig dazulernt, ermöglicht neue Formen der Wertschöpfung und nicht nur die effizientere Gestaltung bestehender Prozesse. Jede Stufe stellt dabei eigene Anforderungen, beispielsweise an die Bereiche People & Culture, Change-Prozesse und Sicherheit. Und je größer der Handlungsradius der Agenten ist, desto besser muss er kontrolliert werden.
Genau diese Verbindung aus Technologie und organisatorischem Wandel ist der Kern jeder erfolgreichen KI-Einführung und seit Jahren die Kernkompetenz von mgm consulting partners. „Ein Framework wie das AI Adoption Framework entfaltet seinen Wert erst, wenn Technologie und Organisationsentwicklung von Anfang an zusammengedacht werden. Genau das begleiten wir bei mgm consulting partners seit Jahren in Transformationsprojekten“, so Roland Kreutzer, Partner und Leiter der Beratung Public Sector bei mgm consulting partners.
Für KRITIS-Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Empfehlung. Sie sollten sofort damit beginnen, ihre Teams im Umgang mit Agentensystemen zu schulen, zunächst etwa über souveräne Cloud-Anbieter im Self-Service. Parallel dazu sollte die eigene Hardware geplant werden, denn die Lieferzeiten sind lang. Mit der Hardware können dann Workbench und Benchmark aufgesetzt werden. Schließlich sollte der organisatorische Umbau gemeinsam angegangen werden.
Nachgefragt: Aufwand, Mehrwert und die europäische Perspektive
In der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, worin die eigentliche Herausforderung liegt. Jan Jikeli antwortete auf die Frage nach dem aufwändigsten Teil der Entwicklung: „Die Entwicklung von ESACA ist fortlaufend, denn das, was man jetzt baut, ist in einem Jahr veraltet. Die eigentliche Kompetenz besteht darin, den Markt zu evaluieren und zu verstehen. Die Technik selbst kann man immer wieder entwickeln, aber innovativ zu bleiben, ist nicht einfach.“
Und der Mehrwert? Der größte Nutzen besteht darin, agentisches Coding sicher in einer Sandbox ohne Security Leakage betreiben zu können. Für KRITIS ist das von zentraler Bedeutung. Hinzu kommt die Effizienz: Laut den Erfahrungswerten von mgm arbeiten Teams mit agentischem Coding etwa 20 bis 30 Prozent schneller. Das hat Jikeli mit seinem Team beobachtet. Auch die Qualität steigt, da die Dokumentation besser wird, es bessere Test Cases gibt und die Software insgesamt stabiler ist.
Zum Abschluss ordnete Jan Jikeli die Partnerschaft mit Fsas Technologies strategisch ein: „Die große Herausforderung für uns Europäer ist, dass wir Allianzen bilden müssen. Was wir derzeit beobachten, ist, dass die großen Coding Agents auch die Architektur der Zukunft vorgeben. Damit ist nicht nur die Entwicklung, sondern auch das, was wir Innovation nennen, abhängig. Wir müssen darauf antworten, und ESACA ist ein erster Schritt in diese Richtung.“
ESACA als strategisches Thema: Eindrücke vom Stand
Dass das Thema den Nerv der Zeit trifft, zeigte sich auch abseits der Breakout-Session. Auch in der Ausstellung war das Interesse an ESACA groß. Gespräche mit strategischen Partnern von Fsas Technologies, mit Dienstleistern und Hardware-Herstellern bestätigten: ESACA besetzt genau die Lücke, die im Markt derzeit vorhanden ist.
Fazit: Agentisches Coding ist eine strategische Frage für KRITIS-Unternehmen
Fsas Technologies ist es innerhalb von zwei Tagen gelungen, 2.100 Menschen von den Kernthemen KI, digitale Souveränität und nachhaltige Infrastruktur zu überzeugen und sie für ihre Digitalisierungsreise startklar zu machen. Der Summit hat für mgm gezeigt, dass souveränes agentisches Coding keine Nische mehr ist, sondern eine strategische Frage für jedes KRITIS-Unternehmen darstellt. Mit ESACA gibt es eine Antwort auf diese Herausforderung, die Produktivität und Compliance nicht gegeneinander ausspielt.
Fragen zu ESACA? Wir beraten Sie gerne.
Weiterführende Informationen
- Webseite des Fsas Technologies Summit 2026 in München: https://eu.fsastech.com/de/microsites/fsas-technologies-summit-2026/
- ESACA-Website: https://esaca.eu/?lang=de
- Dr. Jan Jikelis Vortrag auf dem Fsas Technologies Summit 2026 (YouTube): https://www.youtube.com/watch?v=zJZxYfoeTZM
- Blog-Artikel “ESACA: mgm und Fsas Technologies starten Kooperation für souveräne KI-gestützte Software-Entwicklung”: https://insights.mgm-tp.com/de/2026/unternehmen/esaca-mgm-und-fsas-technologies-starten-kooperation-fuer-souveraene-ki-gestuetzte-software-entwicklung/