„Digitalisierung ist nicht nur der Einsatz von Technologie“

Wie gelangt man als Konzern möglichst schnell von einer Idee zu einem kundenfertigen Produkt? Carsten Klingels, Head of Digital IT bei der E.ON Business Services, teilt seine Erfahrungen dazu am 6. September auf der solutions.hamburg im Thementrack Driving Digital Transformation. Wir haben vorab mit dem Digitalisierungsexperten gesprochen.

Redaktion: Herr Klingels, Sie sind konzernweit für die digitale IT bei E.ON zuständig. Wie bewerten Sie vor dem Hintergrund der digitalen Transformation die aktuelle Situation in Ihrer Branche?

Carsten Klingels: Die Energiebranche erfährt derzeit einen dramatischen Wandel. Durch die Energiewende und die digitale Transformation gerät ein 140 Jahre altes Business Model – die Versorgung der Kunden mit Strom und Gas – ins Wanken. Klassische Versorgung reicht heute nicht mehr, um am Markt zu bestehen, da die Grenzen zwischen Konsumenten und Produzenten verschwimmen. Asset-basiertes Geschäft wandert in Richtung datenbasierten Geschäfts. Darüber hinaus betreten branchenfremde Player den Markt und die Erwartungshaltung der Kunden ist anspruchsvoller geworden. Die damit verbundenen Herausforderungen, aber auch die Chancen, sind gewaltig. Die Konsequenz: Das gesamte Geschäftsmodell und die darauf ausgelegten Geschäftsprozesse müssen angepasst werden.

Redaktion: Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen im Konzern?

Wir setzen unseren Schwerpunkt konsequent darauf, neue nachhaltige Energielösungen zu entwickeln – bei denen der Kunde in die Mitte all unserer Handlungen rückt.

Carsten Klingels: Wir setzen unseren Schwerpunkt konsequent darauf, neue nachhaltige Energielösungen zu entwickeln – bei denen der Kunde in die Mitte all unserer Handlungen rückt. Es geht darum, Werte für die Kunden zu schaffen und Lösungen möglichst schnell an den Markt zu bringen. Das erfordert andere Strukturen, ein agiles Mindset und eine andere Kultur als im klassischen Geschäft. So ist zum Beispiel das Thema Produktentwicklung komplett neu. Früher gab es das in der Branche nicht. Für uns als digitale IT ergibt sich die Herausforderung, diese neuen Denkweisen im Konzern zu verankern und in die Breite zu skalieren – nicht nur IT-seitig, sondern vor allem in enger Zusammenarbeit mit dem Business.

Redaktion: Die Digitalisierung rückt das Geschäft also näher in Richtung Kunde?

Carsten Klingels: Ja, das ist richtig. Hier müssen wir uns aber auch die Frage stellen: Was bedeutet Digitalisierung wirklich? Ich bin davon überzeugt, dass es nicht nur der Einsatz von Technologie ist. Wir brauchen nicht mehr IT und nicht mehr Applikationen. Um digitales Geschäft zu generieren, müssen wir vielmehr die vorhandenen Technologien und die vorhandenen Informationen besser im Sinne unserer Kunden einsetzen, neue Interaktionen schaffen und Mehrwerte in neuen Geschäftsmodellen aufzeigen. Dafür braucht man die richtigen Experten, Stichwort „War of Talent“. Denn der digitale Wandel erfordert ein riesiges Umdenken, einen kulturellen Wandel an Fähigkeiten und Denkmodellen. Innerhalb der IT haben wir ein Team aufgebaut, das mit digitalen Geschäftsmodellen vertraut ist und sich mit der Kundenschnittstelle und state of the art Technologien bestens auskennt.

Redaktion: In Ihrem Vortrag auf der solutions.hamburg stellen Sie auch das für E.ON aufgebaute „Digital Delivery Network“ vor. Was verbirgt sich dahinter?

Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie komme ich möglichst schnell von einer Idee zu einem kundenfertigen Produkt?

Carsten Klingels: Mit dem Delivery Network haben wir neue Strukturen geschaffen, um die Transformation des Konzerns voranzutreiben. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie komme ich möglichst schnell von einer Idee zu einem kundenfertigen Produkt? Das Delivery Network schafft hierfür ideale Rahmenbedingungen – zum Beispiel, indem Projekte schneller starten können. Mit der Bereitstellung unseres Partner- und Expertennetzwerkes, sowie einer digitalen Plattform, einer digitalen Referenzarchitektur und einem Set an Methoden wird den Produktverantwortlichen viel Arbeit und Administration abgenommen. Damit kann die volle Konzentration auf der Lieferung liegen. Wir haben Vorgehensmodelle wie Agilität, Design Thinking und Kanban für uns interpretiert und in den Arbeitsweisen des Delivery Networks verankert. Damit sind wir gut aufgestellt, um auch kleine Ideen, die Werte für unsere Kunden schaffen, schnell und effizient umzusetzen und an den Markt zu bringen.

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