„Die Kernidee des Frameworks ist die Trennung der Fachlichkeit von der Technik“

„6 Lektionen aus 5 Jahren Framework-Entwicklung“ – unter diesem Motto teilen die Experten von mgm ihre Erfahrungen im Thementrack „Enterprise Framework auf React“ in der experten.werkstatt der solutions.hamburg. Aber um was für ein Framework geht es überhaupt? Wir haben mit Projektleiter Ansgar Weiss über die Hintergründe gesprochen.

Redaktion: Ansgar, welchen Zweck erfüllt das Framework auf Basis von React, das mgm derzeit entwickelt?

Ansgar Weiss: Das Framework nennt sich A12 und hat das Ziel, die Entwicklung von webbasierten Geschäftsanwendungen zu erleichtern und zu beschleunigen. Hierfür stellen wir der Entwicklung robuste, skalierbare und sichere Komponenten zur Verfügung. Außerdem bietet A12 eine Reihe von Modellierungswerkzeugen für den Fachbereich. Die Kernidee des Frameworks ist die Trennung der Fachlichkeit von der Technik. Analysten und Fachexperten sollen in die Lage versetzt werden, bestimmte Aspekte der Anwendung eigenständig über Modelle zu definieren.

Redaktion: Was war der ursprüngliche Auslöser für die Entwicklung?

Ansgar Weiss: Die Kernidee des Frameworks geht auf unsere Erfahrungen in der Entwicklung von E-Government-Anwendungen zurück. Konkreter Auslöser waren die Anforderungen rund um Steuererklärungsprozesse. Hier gibt es jede Menge komplexe und umfangreiche Formulare. Eine Unmenge an Fachlichkeit muss ausgedrückt und gepflegt werden. Gleichzeitig gibt es verschiedene technische Kontexte – zum Beispiel unterschiedliche Betriebssysteme, Laufzeitkontexte und Oberflächentechnologien. Um der technischen Komplexität und der fachlichen Masse Herr zu werden, ist die Idee der Modellierung aufgekommen.

Redaktion: Welche Vorteile entstehen durch den modellgetriebenen Ansatz?

Technologien kommen und gehen, aber die Modelle leben weiter.

Ansgar Weiss: Der Clou des Modellierungsansatzes ist, dass fachliche Inhalte in Modellen erfasst werden und damit losgelöst von der technischen Einbindung in die Anwendung sind. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Formulare: Der Fachbereich ist in der Lage, mit Werkzeugen Formulare zu erstellen und zu verändern – ohne dass ein Entwickler irgendetwas implementieren muss. Die Fachexperten und Analysten müssen keine Spezifikationen schreiben oder Mockups bauen. Sie drücken in den Modellen direkt das aus, was hinterher in der Anwendung läuft. Über eine Engine werden die Formulare  während der Laufzeit zum Leben erweckt. Umgekehrt verringert sich durch diesen Ansatz auch die Abhängigkeit von bestimmten Technologien. Bei einer Migration auf neue Technologien muss die in den Modellen liegende Fachlichkeit nicht angepackt werden. Momentan basieren unsere Engines auf React und das passt außerordentlich gut. Aber wer weiß, wie die Technologielandschaft in fünf Jahren aussieht. Technologien kommen und gehen, aber die Modelle leben weiter.

Redaktion: Gibt es neben Formularen weitere Bereiche, in denen das Framework eine derartige Modellierung ermöglicht?

Ansgar Weiss: Ja, vor etwa zwei Jahren haben wir den Scope auf webbasierte Geschäftsanwendungen erweitert. So ist zum Beispiel auch eine „Overview Engine“ entstanden. Sie ermöglicht es, eine Liste von Formularen anzuzeigen, zu filtern, zu sortieren und zu durchsuchen. Alleine durch Form Engine und Overview Engine ist schon eine Master/Detail-Ansicht möglich. Mittlerweile sind client- und serverseitig viele grundlegende Rahmenaspekte für Applikationen abgedeckt. Es gibt wiederverwendbare Komponenten für Aspekte, die sich in Projekten immer wieder wiederholt haben. Außerdem haben wir einen Server implementiert, der Modelle und entstehende Dokumente verwaltet, speichert und serverseitig validiert.

Redaktion: Was sind die Pläne für die Zukunft des Frameworks?

Ansgar Weiss: Wir stehen gerade an einer unheimlich spannenden Schwelle, indem wir den Modellierungsgedanken auf die Anwendungsebene bringen. Es geht in Richtung komplexer Business-Modelle, die zum Beispiel auch Relationen ausdrücken, von Haus aus Datenversionierung unterstützen und vom Oberflächenkonzept her auf Desktop, Tablet und Smartphone aus einem Guss funktionieren. Grundsätzlich glauben wir nicht, dass wir mit Standardkomponenten die Anforderungen von Projekten jemals zu 100 Prozent abdecken können. Es wird immer sehr spezielle Aspekte oder den Wunsch nach anderen Lösungen geben. So viel können wir aus vielen Jahren individueller Softwareentwicklung sicher sagen. Nichtsdestotrotz wird schon jetzt deutlich, wie stark der Modellgedanke des Frameworks die Effizienz der Projekte erhöht. Für das Team und für mich ist es unheimlich motivierend, diese fast schon industrialisierte Form der Softwareentwicklung bei Kunden erfolgreich im Einsatz zu sehen.

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